Artenvielfalt am Ufer belohnen:

Das Prämienprogramm für Gewässerrandstreifen im Landkreis Stade

Gewässerrandstreifen sind wichtige Reservoirs für Artenvielfalt in unserer Kulturlandschaft. Als Pufferzonen schützen sie Bäche und Flüsse vor Nährstoffeinträgen und bieten gleichzeitig wertvollen Lebensraum sowie Wanderkorridore für seltene Pflanzen und Tiere. 

Um diesen Naturreichtum gezielt zu fördern, setzt der Landkreis Stade auf freiwillige Kooperation mit der Landwirtschaft – und das mit finanzieller Anerkennung: Über ein neues Prämienprogramm im Schwingetal werden Landwirt*innen dafür belohnt, wenn sich auf ihren Randstreifen artenreiche Pflanzenbestände befinden oder entwickeln. 

Unsere Ökologische Station Stade ist mittendrin

Als Ökologische Station Stade (ÖSS) begleiten wir das Projekt fachlich direkt vor Ort: 

  • Erfassung & Digitalisierung: Bewirtschafter*innen halten Funde von bis zu 14 Kennarten (wie Blutweiderich, Echtes Mädesüß oder Sumpf-Schwertlilie) per Foto und GPS-Daten fest. 
  • Fachliche Prüfung: Wir prüfen und bestätigen die Meldungen unbürokratisch, damit der Förderantrag beim Amt für Naturschutz eingereicht werden kann. 
  • Beratung: Wir unterstützen Landwirt*innen dabei, das ökologische Potenzial ihrer Flächen optimal zu entfalten. 

Je mehr Kennarten auf einer Fläche vorkommen, desto höher fällt die Prämie für die Bewirtschaftenden aus. Das ist ein echter Anreiz, Randstreifen naturnah zu belassen und Raum für die Artenvielfalt zu schaffen. Und so melden es uns auch die ersten Teilnehmenden zurück.

Gemeinsam für lebendige Gewässer

Das Projekt zeigt, wie Naturschutz und Landwirtschaft Hand in Hand gehen können. Durch den Verzicht auf Dünger und Pflanzenschutzmittel sowie eine schonende Nutzung verwandeln sich die Uferbereiche Schritt für Schritt wieder in blühende Schutzräume für Säugetiere, Vögel, Insekten, Amphibien und seltene Wildpflanzen.

Islandpferde als Helfende im Naturschutz

Beweidungskonzept zur Eindämmung der Rasen-Schmiele im Schwingetal

Islandpferde im Schwingetal Islandpferde im Schwingetal  (ÖSS)

Seit 2025 gibt es das Weideprojekt zur Eindämmung von Rasen-Schmiele („Schneidgras“). Das Gras wird von Rindern aufgrund ihrer scharfen Kanten kaum gefressen. Dadurch breitet sie sich zunehmend aus, verdrängt andere Pflanzenarten und verschlechtert die Qualität der Weideflächen. 

Die Flächen liegen im Landschaftsschutzgebiet „Schwingetal“ und sind zugleich Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Da herkömmliche Bekämpfungsmaßnahmen wie Mähen oder Mulchen im Schutzgebiet nicht zulässig sind, wurde gemeinsam mit der Stadt Stade, dem Landkreis, den Bewirtschaftern und der Ökologischen Station Stade (ÖSS) ein alternatives Pflegekonzept entwickelt.

Die Lösung: Islandpferde können die Rasen-Schmiele kurzhalten. Pferde haben einen höheren Bedarf an Rohfaser im Futter als Rinder und sie sind aufgrund lebenslang nachwachsender Zähne auf ständigen Abrieb durch „hartes“ Futter angewiesen. Die robusten Islandpferde sind außerdem an Gras mit mittlerem bis niedrigem Futterwert angepasst. Perfekte Voraussetzungen, um mit ihnen einen Reinbestand der Rasen-Schmiele zu beweiden.

Das Projekt wird von der ÖSS hinsichtlich seiner Auswirkungen auf Vegetation und Artenvielfalt dokumentiert. Bereits im ersten Jahr 2025 hat sich gezeigt, dass der Einsatz der Pferde eine praktikable und nachhaltige Lösung für den Erhalt artenreicher Grünlandflächen sein kann.

Mehr Dynamik für die Heidbeck in Stade

Förderung einer naturnahen Gewässerstruktur durch gezielte Totholzeinbauten

Liegender Baum im Gewässer der Heidbeck Liegender Baum im Gewässer der Heidbeck  (ÖSS)

Tatkräftige Hände von 15 freiwilligen Helferinnen und Helfer brachten im Dezember 2025 gezielt Totholz in das Gewässer der Heidbeck, um eine natürliche Entwicklung des Bachlaufs zu fördern.

Ursprünglich lag die Heidbeck in einem Sumpfgebiet mit mehreren Wasserläufen. Über die Jahre wurde sie stark begradigt und ausgebaut. Die dadurch entstandene Überbreite führte dazu, dass das Wasser kaum mehr floss.

Die nun im Bach liegenden Bäume sorgen dafür, dass das Wasser mal schneller und mal langsamer fließt. Dadurch entstehen verschiedene Bereiche, die für bestimmte Arten attraktiv sind. Libellenlarven fühlen sich zum Beispiel im Strömungsschatten wohl und Forellen finden dort geeignete Plätze zum Laichen. Im Totholz finden junge Fische außerdem Schutz vor starker Strömung und Fressfeinden.

Die Pilotmaßnahme zeigt, dass ein sicherer Wasserabfluss ohne unzumutbare Vernässung durch das Einbringen von Totholz gewährleistet werden kann. 

Aufwertung der Este bei Kakenstorf

Ein Projekt für die lokale Libellenfauna

Grünen Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia) Grünen Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia)  (ÖSS)

Seit 2024 arbeiten die Ökologische Station Stade (ÖSS) und der Kreisverband der Wasser- und Bodenverbände Harburg für den Schutz der Grünen Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia) zusammen. Sie ist eine der seltensten und anspruchsollsten Libellenarten, die in Niedersachsen und Bremen an den Fließgewässern zu finden ist.
Bei Kakenstorf setzte der Kreisverband auf einem Abschnitt von ca. 120 m durch Einbringen von Kies, Lesesteinen und Totholz
die Verbesserung des Lebensraumes dieser besonderen Libelle um. Das Ufer wurde mit Stämmen, Stubben und Holzpfählen vor Auskolkungen gesichert. Das bietet zudem wichtige Sonnenplätze für Libellen. Dort sitzen sie auf Beute an und verteidigen ihr Revier. Die Maßnahme wurde in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde Harburg von der ÖSS konzipiert und beauftragt.

 (ÖSS)

 

 

Herbst 2024: Vor der Maßnahmenumsetzung

 (ÖSS)

 

 

Dezember 2024: Während der Umsetzung der Maßnahme

 (ÖSS)

 

 

Sommer 2025: Nach der Maßnahmenumsetzung